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Ein Gespräch zwischen Uwe Schnabel (Redakteur fairquer) und Claudia Greifenhahn (Geschäftsführerin des Weltladens aha - anders handeln in Dresden):

In drei Artikeln der vorangegangenen fairquer (Nr. 37) wurden sowohl positive Entwicklungen des Fairen Handels aufgezeigt, als auch viele Probleme genannt, für die keine Lösungen beschrieben wurden. Uwe hat dazu weiterführende Ideen, um die es in dem Gespräch gehen soll.

Es gibt immer wieder Diskussionen, ob und was der Faire Handel bringt. Dabei muss unterschieden werden zwischen dem (Produkt-)Zertifizierungssystem von TransFair und Fair-Handels-Unternehmen wie GEPA, el puente und dwp. Zur Kritik am Transfair-Produktzertifizierung haben wir einen Vortrag von Dr. Arndt Hopfmann exklusiv in Bautzen aufgezeichnet.

Und jetzt steht er allen zur Verfügung unter: www.vimeo.com

Eine kleine Zusammenfassung aus dem Einführungsvortrag während des Weltladentreffens Ost April 2015 auf Gut Frohberg

Seit der Wende bin ich dem Fairen Handel verfallen. Trotz aller Kritik, aller Unzulänglichkeiten, aller Nischenprobleme – ich glaube daran, dass der Faire Handel eine Alternative ist. Die es mir leichter macht, „shoppen“ zu gehen und zu genießen. Warum eigentlich? Er ist nicht einfach nur Handel, sondern vermittelt Wissen. Bildungsarbeit, Hinterfragen des eigenen Lebensstils und die Beschäftigung mit anderen Kulturen – wo macht man das schon, wenn man „shoppen geht“?

Was ist gut am Fairen Handel?

Die Produzent_innen werden unterstützt, indem wir ihnen Kund_innen vermitteln und einen Markt in unserer Region schaffen. Um diesen Markt zu stabilisieren, erfahren sie eine Beratung, die manchmal auch dazu führt, dass die Produzent_innen selbst expandieren können. Ein fairer Preis wird gezahlt, der unabhängig vom geltenden Weltmarktpreis ausreicht, um die Produktionskosten zu decken. Er ermöglicht eine sozial gerechte und umweltverträgliche Produktion und wird um Prämien für gemeinschaftliche Projekte wie Schulen, Krankenstationen und anderes erhöht. Man kann das alles in Frage stellen, doch gibt es Studien und Beobachtungen, die nachweisen: Wer einmal im Fairen Handel angekommen ist, hat deutliche Vorteile: Das Leben der an der Produktion beteiligten Menschen und deren Familien wird verbessert, Menschen erhalten Selbstvertrauen und werden in ihrer Würde geachtet, die wirtschaftliche Situation verbessert sich, die Kreditwürdigkeit steigt, weniger Krankheiten, häufigerer Schulbesuch, höherer Nahrungsmittelkonsum, verbesserte Marktzugangsmöglichkeiten, Aufbau von funktionierenden und – manchmal – auch selbstständig und unabhängig existierenden Institutionen. So scheint es logisch, dass die Verkaufszahlen insgesamt rasant ansteigen. Das passiert auch und vor allem durch die Einführung gesiegelter Produkte in Supermärkten und die Entwicklung von Eigenmarken. Eine besondere Rolle spielt aber auch das wachsende Bewusstsein und die immer weiter steigende öffentliche Präsenz des Fairen Handels.

Aus der Nische in den Marktkapitalismus

Aber – diese Verkaufszahlen werden leider nicht unbedingt in den Weltläden erreicht. Warum? Wir haben heute circa 800 Weltläden und viele tausend Aktionsgruppen. Dieser klassische Vertrieb fair gehandelter Produkte arbeitet aus der Geschichte heraus vorrangig ehrenamtlich – darauf ist das gesamte Handelskonstrukt aufgebaut. Der Schwerpunkt der Läden wird oft auf Bildung und nicht auf Erhöhung des Umsatzes gelegt. Der Anspruch, alles zu leisten (Bildung, Verkauf, Öffentlichkeitsarbeit…) überfordert die Mitarbeiter und wirkt unprofessionell. Aus meiner Sicht sind Weltläden oft wenig offen für neue Trends und können sich nur mühsam den neuen Marktanforderungen öffnen. Sie müssen sich selbst wieder neu definieren um zu überleben und sind damit beschäftigt, Mieten und Einkäufe zu finanzieren. Der konventionelle Vertrieb dagegen ist durch erhöhte Nachfrage der Kund_innen und dem Wunsch der Importorganisationen, mehr Produkte zu vertreiben, entstanden. Aber: Sein Ziel ist normalerweise Gewinnmaximierung, nicht Nonprofit. So ist der Faire Handel zwar aus der Nische getreten und erreicht den Mainstream, aber es erreichen auch die Gesetze des Kapitalismus den Fairen Handel. Das heißt konkret: eine hohe Qualität wird verlang, die möglichst wenig kostet. Verfügbarkeiten werden vorausgesetzt, die die Kleinanbieter nicht bedienen können. Schnäppchen und Rabatte werden eingeführt, von denen niemand weiß, wie und von wem sie bezahlt werden sollen. Und einmal mehr zeigt sich: Kapitalismus ist niemals gut oder gar auf die Unterstützung der Produzent_innen gerichtet. So bleibt es für mich logisch, am Fairen Handel in seiner klassischen Form festzuhalten und daran zu arbeiten, seine Strukturen zu verändern, um tatsächlich als Gegenentwurf zum „normalen“ Handel auftreten zu können. Für mich liegt zwar vieles im Argen, aber…. Der Faire Handel ist nach wie vor – konsequent gedacht und konsequent umgesetzt – für mich derzeit der einzige Weg, ungleiche Strukturen der Verteilung und des Konsums zu durchbrechen. Er ist mehr als ein Zeichen für mich, er bietet die Möglichkeit einer Alternative. Da passt auch das Thema des Umdenkens hinein. Es kann nicht immer alles uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Produkte, die einen weiten Weg hinter sich haben, müssen logischerweise auch einen angemessenen Preis haben. Kaffee kann und darf nicht billiger als Kräutertee sein. Überfluss ist tödlich. Handel ist fair, wenn alle Glieder der Handelskette davon leben können Und so sollten sowohl Weltläden als auch Verbraucher_innen genau hinsehen, achtsam Hinterfragen, ein beherztes Selbstbewusstsein leben, Verantwortung wahrnehmen und nie vergessen, dass unser Konsumverhalten eine der globalen Voraussetzungen zum Überleben unserer gemeinsamen Erde ist.

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